Barhocker

 VI. Worringer Kneipentour  
              - vor verschlossenen Türen :-(  

Am Freitag, dem 5. März, war es endlich wieder soweit: Kneipentourzeit! Die geplante Route sollte uns über das Haus Schlösser, dann Zum Futzemann ins Zint Tünnes, zum Burghof ins Bistro Pur und zum Abschluss ins Bierstübchen (ehemals Bei Toni) bringen, aber es kam alles ganz anders. Vielleicht lag es ja daran, dass unser Vögelchen auf Twitter zum ersten Mal unseren Termin ausgezwitschert hat.

Als wir das  Haus Schlösser  betraten, staunten wir nicht schlecht über die gut besuchte Schänke. Bis auf zwei kleine Tische war der Wirtsraum mit Gästen gefüllt. Was nun? Mit unserer zehn Mann starken Truppe würden wir kaum an die beiden Tische passen. Die freundliche Bedienung öffnete einfach den Saal und baute uns eine ausreichenden Tafel, sodass wir mit Blick auf die Fotogalerie der Prinzen uns der Speisekarte widmen konnten. Jetzt verstanden wir auch, warum an fast jedem Tisch im Haus Schlösser ordentlich getafelt wurde. Die Speisekarte war schon fast ein Speisebuch, soviel Auswahl hatte sie zu bieten und auch die Preise waren sehr sehr erfreulich. 9,90 EUR für ein Schnitzel (in vielen Variationen erhältlich) mit Beilage und Salat. Korrekt! Bis auf unsere Fastenjünger hatten alle etwas zu Essen bestellt und ich war wirklich froh, dass ich nicht der tapferen asketischen Gruppe angehörte. Ich bestellte ein Elsässer Schnitzel mit Sauce Choron. Sie wissen nicht, was das für eine Sauce ist? Wussten wir auch nicht, also schnell gegoogelt und schon wussten wir, dass diese Sauce ein Abart der Sauce Béarnaise verfeinert mit Tomatenmark, Estragon und Kerbel ist. Ausgedacht hat sich das übrigens kein Geringerer als Herr Bocuse. Aber wusste das auch die freundliche Bedienung? Sie wusste! Allerdings verriet sie uns, dass die Soße im Haus Schlösser mit Ketchup zubereitet wurde und ist in Ketchup nicht auch Kerbel und Estragon enthalten? Herr Google sagt zumindest in einigen Gewürzketchupsorten ist dies der Fall! Also nicht nur freundliches Personal, sondern auch noch kompetentes! Geschmeckt hat das Essen auf jeden Fall und das durften wir dann auch noch der Köchin persönlich mitteilen, nachdem wir als Worringen-lebt-Team geoutet wurden. Jörg, du hast echt 'ne total nette Mama und das Wichtigste, sie kann kochen ;-). Was wir beim nächsten Mal noch klären müssen ist ob das Wiener Schnitzel wirklich ein solches ist, oder doch nur ein Schnitzel nach Wiener Art.



Derart gestärkt und dem saumäßigen Wetter entsprechend wieder gegen die Kälte vermummt, machten wir uns auf 
Zum Futzemann  , aber oh Schreck, kein Licht, der Futzemann war dicht. Freitags Ruhetag? Wo gibt's denn so was? Oder gar für immer geschlossen? Wir fragten unsere "Apothekerin", aber selbst diese wusste nichts davon, obwohl die Werbung doch immer suggeriert dass diese Menschen alles wissen ;-). Also weiter zum  Zint Tünnes . Aber auch hier. Alles dunkel! Hatte in Worringen eine grasierende Seuche zugeschlagen und diese Kneipenlichter ausgelöscht? Auch "Schlemmen bei Ulle" hatte ja bereits das Zeitliche gesegnet (aber für alle Schnitzelliebhaber sei erwähnt, dass man jetzt in der Tennishalle von ihr bekocht werden kann). Düstere Aussichten für unsere liebgewordene Tradition des Kneip(p)enkuren. Der Herr Kneipp wäre sicher stolz auf uns, die wir seine Tradition in abgewandelter Form ins 21. Jahrhundert gerettet haben. Sie verstehen den Vergleich nicht? Dann hier also ein bisschen Bildung. Frau Wikipedia sagt: "Die Kneipp-Medizin oder Kneipp-Therapie ist ein nach dem Pfarrer Sebastian Kneipp benanntes Behandlungsverfahren, das Wasseranwendungen, Pflanzenwirkstoffe, Bewegungs- und Ernährungsempfehlungen beinhaltet." Noch Fragen? Woraus wird Kölsch gebraut? Richtig. Und in Bewegung sind wir bei unseren Touren auch, also weiter und schauen, wo noch ein Lichtlein brennt. 




Juhu, der  Burghof  hat offen! Und da anscheinend die meisten Kneipen heute zu haben, sind wir überhaupt nicht verwundert, dass auch die Kultkneipe wieder einmal randvoll ist. Ratzfatz sind wir mit Kölsch versorgt und ganz leise flüstert und unsere Insiderin zu, dass am Nachbartisch der zukünftige Prinz sein Bierchen hebt. Prost - wir freuen uns schon auf die nächste Session. Das Gaffel schmeckt allen, außer unserem Essener-Gastteilnehmer vorzüglich, aber der kommt ja auch aus dem Pott und wer mit Stauder-Pils leben muss, hat es halt nicht leicht ;-). Dabei sei erwähnt, dass es auch außerhalb Worringens ein paar nette Kneipen gibt. Wer mal in Essen ist, muss unbedingt die 11Freunde-Kneipe besuchen. Wahnsinns Fußball-Devotionalien so weit das Auge reicht, so was wünsche ich mir in Worringen auch noch - im alten Prima-.Markt ist dafür genug Platz und ich wäre sicher öfter mal am Tresen.



Nach der zweiten Runde oder war es die dritte, zieht es uns weiter. Wir müssen ja schließlich herausfinden, ob noch weitere Kneipen der galoppierende Seuche erlegen sind, also schnell um die Ecke in die sündige Worringer Meile. Waren die kleinen Katzensnacks am Ausgang vom Burghof als Wegzehrung gedacht? Eigentlich stand ja das  Bistro Pur  auf dem Programm, aber irgendwie kann ich meine Mitstreiter heute nicht dafür begeistern und so fallen wir in das  Bierstübchen  ein. Der Laden ist voll und uns bleibt nur ein Plätzchen am Rande der Theke. Es gibt Reissdorf was mich sehr erfreut, aber es kommt keine glückselige Gemütlichkeit auf und so lassen wir unsere Jacken an, kippen eine Runde Kölsch und wandern weiter die Worringer Prachtstrasse entlang. Schock schwere Not - auch die  Kaschämm  ist zu! Was geht hier ab? Nackte Panik steht in unseren bleichen Gesichtern! Eine ähnliche Gesichtsfarbe hatte ich beim 0:1 der Lüdenscheider (BVB) letzte Woche auf Schalke. Nie mehr F***** & Nageln?




Jetzt kann nur noch der  Anker  helfen! Die Musik ist laut und irgendwie lassen mich die musikalischen Weisen im Anker assoziative Gedanken zu einem Eimer Sangria und Strohhalmen durchs Hirn rauschen, obwohl ich wirklich noch nie am Ballermann war. Unglaublicherweise habe ich gerade erst meinen Mantel abgelegt, als auch schon Marc Medlock aus den Boxen dröhnt und der halbe Saal mitsingt ;-). Neben unserem Tisch hat ein Quartett ein Fässchen auf dem Tisch und man glaubt es kaum, in der Ecke stehen die Zutaten für einen zünftigen Nagelabend, aber das besagte Quartett ist schneller. Es gelingt mir leider nicht, unseren Nagelkönig zu einem Duell mit den Naglern zu überreden und so bleibt uns nur übrig darüber zu lamentieren, dass wir die Stahlnägel natürlich viel viel schneller ins Holz getrieben hätten.




Durch die Mitgröl-Mucke bekomme ich Lust auf Karaoke und frage in unserer Truppe herum, ob wir mal zu Gipsy in  Gabriels Pinte  einfallen sollen, um die Karaokeanlage zu testen. Alle sind begeistert und so stapfen wir soweit uns die Füße tragen durch den Schnee zur Pinte. Es ist schon spät und soviel ist nicht mehr los, aber mit uns Zehnen sieht das gleich wieder besser aus ;-). Aber heute klappt alles nicht wie geplant und so muss ich von Gipsy erfahren, dass bei ihm eingebrochen wurde und neben dem Laptop mit der Karaoke Software auch das Sammelkästchen an der Wand geklaut wurde. Idioten! Bewegt euren Arsch, arbeitet und lasst die Finger vom Geld hart arbeitender Leute. So etwas regt mich echt auf! Bei einem unserer Redaktionsmitglieder wurde ja auch schon eingebrochen und leider hört man immer wieder von derartigen Vorfällen in unserem Dorf. Hatte München nicht mal 'ne Staffel schwarzer Sheriffs organisiert?

OK, dann halt keine Karaoke, sondern Kickern. Leider müssen meine Mitspieler und ich erfahren, dass der Nagelkönig auch am Fußballtisch nicht zu bezwingen ist. Als ich pausiere, müssen die beiden Herren in Schwarz sogar eine bittere zu Null-Niederlage hinnehmen und zur Strafe unter dem Tisch durchkrabbeln. Sie tun dies allerdings so schnell, dass ich mit meiner Kamera nicht hinterherkomme und so müssen Sie sich diese Bild leider in Gedanken ausmalen ;-). Was nun? Im Hinterzimmer wird gepokert, aber davon habe ich keine Ahnung und außerdem weiß man ja, dass Pokerrunden auch gerne überfallen werden. Ich versuche die nette Bedienung zu überzeugen, dass man die Gerichte, die an die Tafel geschrieben sind auch wieder morgen neu hinschreiben kann, weil wir gerne eine Runde Montags- äääh Freitagsmaler gegeben hätten, aber der Chef ist nicht mehr da und so traut sie sich nicht, uns die Erlaubnis zu erteilen. Und wenn mir eine Frau etwas verbietet, dann halte ich mich natürlich streng daran!


Da ich mir nicht mehr ganz sicher bin, ob wir im Rahmen unserer Touren auch schon mal die  Gaststätte Europa  im Programm hatten [;-)] nehmen wir einen letzten Umtrunk in besagter Kneipe. Doch, doch wir waren schon mal hier, denn die Dame mit dem Leoparden-Shirt habe ich hier schon mal gesehen :-) und auch die Lady hinter dem Tresen kommt mir bekannt vor. Ich verständige mich mit den anwesenden FC'lern darauf, dass es schön wäre, wenn der FC morgen gegen die Bayern einen Dreier einfahren könnte und trinke meine letztes Kölsch. Der FC hat dann ja immerhin unentscheiden gespielt und so konnten also alle eine rundum zufriedenstellendes Wochenende abhaken. Bleibt zu hoffen, dass das Kneipensterben in Worringen aufgehalten werden kann, wir jedenfalls haben wieder unser Bestes gegeben ;-).

Autor: UR
Fotos: Tom & Jerry


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