[Die
Kamelienausstellung in der Kölner Flora, 16. Januar - 11. April 2010]
Die angenehme Musik ist im ersten Moment etwas überraschend. Wollte ich doch in die
Kamelien-Ausstellung der Kölner Flora und nicht in ein Konzert fernöstlicher Musik. Der Weg war ausreichend beschildert. Nach einem kurzen Orientierungsblick halblinks und nach rechts bin ich mir wieder sicher: hier bin ich richtig. Überall wunderschöne Kamelienblüten, in den Farben rot,
rosa, weiß, rot-weiß, weiß mit rosafarbenen Rändern. Gelbe Blüten sind sehr selten, jedoch in der FLORA zu sehen.
Es gibt gefüllte Kamelienblüten, die in China beliebt sind. Es ist eine Pracht und Freude für meine und die Augen eines jeden Besuchers dieser Ausstellung. Einige Kamelien duften, ähnlich wie Veilchen. Sie sind mit kleinen Hinweisschildern gekennzeichnet: ICH DUFTE. So kommt mein Geruchsinn auf seine Kosten. Jeder sollte sich die Zeit für einen Besuch der alljährlich von Januar bis April stattfindenden Ausstellung in der Kölner Flora nehmen.

Ich muss gestehen, dass ich kein Gärtner und Botaniker bin. Eines meiner Hobbies ist das Fotografieren. Obwohl ich alle Blumen, Blüten, Bäume und Sträucher, ja sogar Unkraut sehr interessant finde (wegen des Unkrauts darf ich nichts im Garten
ausreißen, weil Unkraut schöner und interessanter aussieht als Blumen oder Nutzpflanzen. Ich lasse also das Unkraut stehen und halte die Blumen oder Gemüsearten für „Unkraut“), fotografiere ich alles was mir vor die Linse kommt. Es gibt
Tausende von Motiven, allerdings bilden sich im Lauf der Zeit Lieblingsmotive heraus. So mag ich sehr gerne Mohn, Sonnenblumen und … Kamelien. Hätte Sie jetzt gewundert, wenn die Kamelien nicht dazu gehört hätten
- oder?
Ein bisschen habe ich mich für Kamelien interessiert: Herkunft und Gattung der Pflanzen und was es sonst über die „Blume“ zu erzählen gibt. Einfach nur „Blümchen gucken oder fotografieren“ erschien mir zu simpel. Und so fand ich folgende Informationen über die Kamelien:
Die ursprüngliche Heimat der Kamelien liegt in China, Vietnam und Japan. Also ganz schön weit weg von der Kölner Flora. Die ersten Exemplare der Kamelien wurden von Seefahrern mit nach Europa gebracht. Zunächst wohl nach England.
Anfangs gab es nur wenige Kamelien. Es waren exotische Blumen, die bis dahin in Merry Old England nicht bekannt gewesen sind, geschweige denn in den anderen Königreichen und Grafschaften Europas. Also waren die ersten Kamelien noch sehr wertvoll. Könige, Fürsten, Grafen und sonstige hohe Würdenträger besaßen die wenigen Pflanzen. Die Fürsten und Grafen beschäftigten Gärtner, die sich um ihre Parks und Gärten kümmerten. Die Kamelien bedurften besonderer Pflege und Aufmerksamkeit. Trotz aller Pflege gingen in den ersten Jahren etliche Kamelien kaputt. Allerdings konnten die Kamelien bald kultiviert und gezüchtet werden. Könige und Fürsten schenkten Ableger der Pflanzen befreundeten Herrscherhäusern.

Die ersten Kamelien kamen zwischen 1770 und 1790 nach Deutschland.
Man sagt, die Kamelien in Europa stammen von insgesamt 4 Pflanzen bzw. Sträuchern ab. So auch das "Ungetüm" im
Schlosspark in Pillnitz/Sachsen. Die „Pillnitzer
Kamelie“ gelangte als Geschenk nach Sachsen und kann heute in der Pillnitzer Parkanlage besichtigt werden. Dieser Kamelien-Baum ist zwischenzeitlich 9 m hoch und 11 m im Durchmesser. Während eines Urlaubs in Dresden hatte ich Gelegenheit die Riesenkamelie zu besichtigen. In den kälteren Monaten wird die Pillnitzer Kamelie in ein eigens für sie gebautes fahrbares Gewächshaus gestellt und gegen die Kälte geschützt. Wenn die Kamelie blüht (Februar bis April), sind cirka
35.000 Blüten am Strauch zu bestaunen.
Aber zurück in die „FLORA“. Es gibt über 400 verschiedene Arten von Kamelien, die zur Gattung der Teestrauchgewächse gezählt werden. Die Blätter sind recht dick, lederartig, glänzend, dunkelgrün und am Rand gezackt, nur selten glatt. Man benutzt die Blätter von einigen Arten zur Herstellung von Tee oder Öl und einige Blüten sind essbar. Das
mussten die Gärtner vor ca. 220 Jahren erst alles mühsam herausfinden. Zum Glück wurden wichtige Pflegeanleitungen und überhaupt die Erkenntnisse über die Pflanzen schriftlich aufgezeichnet.
Den Namen Kamelie verdankt die Pflanze dem Mönch
Camellus, der 1639 Kamelien auf den Philippinen angeblich entdeckt haben soll. In Wirklichkeit war der Jesuit Kamel zwar auf den Philippinen, jedoch hat er nie eine Kamelie gesehen. Es gibt noch eine Reihe anderer Begebenheiten über Entdecker und Einführer der Pflanzen in old Europe, die aber bis heute nicht bestätigt sind. Bekanntlich hat eine gute Sache immer viele Väter.
In der FLORA sind über 500 Pflanzen von insgesamt über 400 verschiedenen Arten und Sorten vorhanden. Also lohnt sich der Besuch mitten im Winter.

Natürlich gibt es in Deutschland noch einige andere Botanische Gärten, die bedeutsame Kamelien Sammlungen vorweisen können. Aber warum in die winterliche Ferne schweifen wenn das Gute liegt so nah?
Die Kamelien waren im 18. Jahrhundert Bestandteil der adligen und großbürgerlichen Kultur. Der Roman
„Die Kameliendame“ von Alexander Dumas drückt dies aus und auch die Oper
Verdis „La Traviata“, die wiederum den Roman Dumas zur Vorlage hatte.
Die Kamelien wurden im Laufe der Zeit von den viel robusteren Rhododendren
aus den Gärten und Parks verdrängt. Mittlerweile gibt es aber wieder viele Kamelien-Liebhaber.
Es stellte sich heraus, dass es unter den Kamelien winterharte Exemplare gibt, die in der FLORA
außerhalb des Subtropenschauhauses wachsen, gedeihen und blühen. In 2 bis 3 Wochen dürften auch diese Kamelien dem FLORA-Besucher ihre herrlichen Blüten zeigen. Und wenn dann die Sonne
lacht ...
Da wird mir schon ganz Frühlingshaft.

Mein Rundgang mit Kamera dauerte 1,5 Stunden. Nee, also jede Blüte konnte ich mir trotzdem nicht anschauen, dafür sind es zu viele. Natürlich kommen Besucher die es schaffen in 5 Minuten die Runde zu machen. Sie sind dann nicht richtig aufgewärmt und schon wieder
draußen in der Kälte. Aber wie heißt es doch so schön: Jede Jeck ess anders... und wie so oft gibt es den Hektiker oder den Genießer!
Die ganze Sache war KOSTENLOS. Bis auf die Fahrkosten hin- und zurück und den Zeitaufwand! Aber es hat sich gelohnt.
Draußen, an geschützten Stellen, findet man Schneeglöckchen und die ersten Krokusse sind auch schon da. In spätestens 2 Wochen bin ich wieder in der FLORA. Dann kann ich nochmals die KAMELIEN bewundern und mit etwas Glück und trockenem Wetter die Riesenansammlungen der KROKUSSE und was sich sonst schon zeigt.
Autor: HP
Fotografie: HP
Alle Fotos zur Kamelien-Ausstellung:
http://picasaweb.google.de/theakubra/Kamelien?feat=directlink
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Weitere Infos:
+ www.freundeskreis-flora-koeln.de/flora2/
► Fotografien
zur Ausstellung
+ http://de.wikipedia.org/wiki/Kamelie
► Alles
über die enge Verwandte des Teestrauchs
+ www.kamelien-online.de/
► Deutsche Kamelien-Gesellschaft e.V.
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