Kulturkenner

 Band of Skulls live im Studio 672:   
  
                       Konzert mit angezogener Handbremse!  

[04.05.2012; Stadtgarten / Studio 672; Köln]

Das Album „Sweet Sour“ (Besprechung: http://worringen-lebt.de/html/ohrwurm_03_12.html ) war und ist eine der positivsten Erscheinungen im ersten Quartal dieses Jahres. Ist es immer noch, obwohl mich die Schädelbande am Freitag im Kölner Stadtgarten nicht wirklich überzeugen konnte – aber der Reihe nach!

Beim Eintreffen am Stadtgarten gegen 19:30 stelle ich als Erstes erstaunt fest, dass das Konzert vom großen Saal ins wesentlich kleinere Studio 672 verlegt wurde. Da noch Karten im Netz erhältlich waren, war schon klar, dass es heute keine volle Hütte geben würde, aber dass die Band aus Southampton / England so wenig Besucher zieht, überraschte mich dann doch.

Band of Skulls / Live in Köln

Aber das Studio ist dann proppenvoll und die klimatischen Verhältnisse gleichen dem des tropischen Regenwaldes. Da mein treuer Konzertbegleiter C. etwas verspätet zu uns stößt, verpasse ich leider die Vorband The Dope aus Bayern, aber die unverwüstliche V. war schon drin und urteilte „Die waren richtig gut!“ Selbstverständlich kann man sich auf das Urteil von V. verlassen und was ich hier vorgefunden habe http://www.myspace.com/thedopemusik, lässt sich durchaus gut hören!

Der Hauptakt, die „Band of Skulls“, legen dann direkt mit einem der stärksten Songs des Albums, nämlich „Sweet Sour“ los. Das Riff ist knackig und schön dreckig, aber leider können Frontmann Russell Marsden (Gitarre / Vocals) und Bassistin Emma Richardson mit ihren doch recht dünnen Stimmen, die im Lied verborgene Energie nicht überspringen lassen. Beim Betrachten von vorherigen Live-Gigs der Band hatte ich mich schon gefragt, ob sie auf der neuen Tour, wie auf Platte, auch live einen Schritt nach vorne unternommen haben, aber schon nach wenigen Songs ist klar: Neee, „Band of Skulls“ sind keine Live-Band. Weder Marsden noch Emma Richardson verfügen über das, was man so gerne als Bühnenpräsenz beschreibt und von Rampensäuen braucht man schon gar nicht zu sprechen. Frau Richardson kommt mir gar wie ein Chamäleon vor, das die Fähigkeit besitzt, mit dem Hintergrund zu verschmelzen. Definitiv keine gute Eigenschaft, wenn man im Rockgeschäft was werden will.

Dass die Band live ziemlich enttäuscht, schmerzt umso mehr, weil die Songs wirklich gut sind! Klasse Hooklines und Riffs und tolle Melodien. Was wäre „Lies“ zum Beispiel für ein Knaller, wenn The Kills ihn spielen würden oder „Wanderluster“ die Kings of Leon!

Die balladesken Stücke wie „Navigate“ oder das schmachtende „Lay my Head down“ kommen live im Vergleich zu den rockigen Nummern deutlich besser rüber. Was wohl daran liegt, dass man dazu nicht wirklich brennen muss. Ansonsten scheinen sich aber die meisten Besucher doch grandios zu amüsieren, denn die Stimmung ist recht gut und als im Zugabenblock die Band dann die Handbremse endlich etwas löst und meine Lieblingsnummer „The Devil Takes Care of His Own“ spielt, springt bei mir sogar ein kleiner Funke über!

Fazit: Klasse Songs, aber leider ziemlich leblos präsentiert. Ich fürchte die Engländer - irgendwie stecke ich sie aber immer wieder gerne nach Amerika - sind zu brav für authentischen Rock 'n Roll. Vorschlag: Weiter so tolle Songs schreiben, aber unbedingt noch einen Mann für die Lead-Vocals engagieren und Frau Richardson zum Charisma-Trainer schicken oder nur noch Platten herausbringen – die kaufe ich auf jeden Fall!

Uiuiui, da war ich heute aber richtig böse! Als ausgleichende Gerechtigkeit sei noch erwähnt, dass nur mein treuer Konzertbegleiter C. und meine Wenigkeit das Konzert so empfanden. Die Anderen aus unserer Gruppe fanden es ein gutes Konzert und verließen zufrieden das Studio 672.


Autor: UR
Fotos: UR

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Weiterführende Informationen:


+ Homepage Band of Skulls: http://bandofskulls.com/
+ Homepage Kölner Stadtgarten: http://www.stadtgarten.de/