Ohrwurm: Rezensionen [Mai 2012]

 Beard Wives Denim  
                       von Pond 

Kategorie: Alternative / PsychedelicRock / PsychedelicPop / GarageRock
Land: Australien
Label: Modular Recordings
Tracks: 13

Wertung*: -

Pond könnte man als Zweitband von Tame Impala bezeichnen, schließlich sind nun drei Mitglieder (Kevin Parker, Jay Watson, Nick Allbrook - es fehlt nur Dominic Semper [Bass, Perkussions, Gitarre]) von Tame Impala Bandmitglieder. Zusätzlich sind noch dabei Jamie Terry (The Silents), Cam Every und Joseph Ryan, womit die Band nun aus 6 Mitgliedern besteht.

Fünf Wochen zog sich die Band in ein kleines Farmhaus in Eagle Bay zurück, übernachtete teilweise in Zelten wegen des akuten Platzmangels, und fing an zu jammen - wahrscheinlich bis ihnen die Finger bluteten, denn die Spielfreude ist diesem Album als allererstes anzumerken. Wenn man diese kleine Anekdote nun kennt, kann man den Albumtitel "Beard Wives Denim" auch besser einordnen :-)

Der Sound von Pond und Tame Impala ist sehr ähnlich. Bei beiden Bands orgelt das Keyboard als wäre es restlos bekifft und die Gitarren dürfen gerne Feedbacks erzeugen und flächig klingen. Möchte man differenzieren, dann würde ich Tame Impala mehr Pop und Pond mehr Rock attestieren. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, dass Tame Impala-Alben sehr gut ausproduziert, und Pond-Alben eher wie ein großer Jam, wirken.

Aber egal, was man bevorzugt, eins ist sicher, wenn man die
Stone Roses mag und sich im BritRave der beginnenden 90er heimisch fühlte, dann wird man auch Pond mögen!!

Beste Songs:

+ "Fantastic Explosion of Time": Fantastische Riffs, knackige Hookline und ne fette Rockröhre. Was will man(n) mehr?

+ "Elegant Design": Kann elegantes Design schlecht sein? Natürlich nicht! Klingt verdammt nach den Inspiral Carpets! I love it ... dieser Chorus!

+ "Sorry I was under the Sky": Die ultimative Fortsetzung von "Lucy in the Sky with Diamonds"

+ "You Broke my Cool": Wunderschönes verschrobenes Stück GlamRock und Sänger Nick "Paisley Adams" Allbrook klingt wie der junge Bowie!

+ "Dig Brother": Welcome Retro, welcome to the Beatles-World.

Autor: UR

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+ Offizielle Homepage
 

Artverwandtes für Neugierige: 
+ Tame Impala / Innerspeaker (2010)
+ The Inspiral Carpets / Life (1990)
+ The Stone Roses / The Stone Roses (1989)

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 Locked Down 
      von Dr. John  

Kategorie: Blues / Jazz / BluesRock / Funk
Land: U.S.A.
Label: Nonesuch
Tracks: 10

Wertung*:

72 Jahre und kein bisschen leise. Der Blues-Doctor aus New Orleans wird wahrscheinlich erst aufhören grandiose Platten (mittlerweile 35 Alben!) zu veröffentlichen, wenn er in der Kiste liegt. So eine legendäre Psychedelic-Funk-Blues-Afro-Nummer wie "Revolution" bekommt halt auch wirklich nur der Doctor hin!

Das neue Album "Locked Down" wurde von Dan Auerbach von den Black Keys produziert, und das merkt man unterschwellig auch durch diese wunderbare Dirtyness in der Gitarrenarbeit und es macht das 35. Dr. John-Album zu einem der besten - mein Liebling bleibt aber weiterhin das Debüt-Meisterwerk "Gris Gris" von 1968. Bei "Big Shot", einer groovenden Blues-Nummer, merkt man deutlich, dass der legendäre Tom Waits und Dr. John (bürgerlich: Malcolm (Mac) John Rebennack Jr.) stilistisch gar nicht sooo weit auseinanderliegen. Dass beide über hohe musikalische Kompetenz verfügen, ist sowieso keine Frage! Die Orgel auf "Ice Age" ist freaky und wird Doors-Liebhabern ein Quell der Freude sein. Am deutlichsten  merkt man Auerbachs Einfluss bei "Getaway", würde mich nicht wundern, wenn der Song aus seiner Feder stammt. "Kingdom of Izzness" ändert so gekonnt zwischen Soul, Blues und Funk, dass man es sicher auf einer Motown-Soul-Party spielen könnte, ohne dass dies das Publikum übel nehmen würde. "Eleggua" bedient sich ähnlich wie "Revolution" bei Sounds aus der afrikanischen Musikküche und erinnert mich stark an die Afrojazz-Sachen von Manu Dibango aus den 80ern. "My Children, my Angels" klingt nach Frank Zappa und Dr. John klimpert  höchst relaxt - Song für einen sehr sehr schweren Rotwein.

Fantastisches SumpfRock-Meisterwerk des Mythos Dr. John, das groovt und rockt, als wäre der betagte Doctor in einen Jungbrunnen gefallen! Danke Herr Auerbach für diese Wiederbelebung!

Autor: UR

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+ Offizielle Homepage

Artverwandtes für Neugierige: 
+ Tom Waits / Bad as me (2011)
+ Dan Auerbach / Keep it Hid (2009)
+ Manu Dibango / Electric Afrika (1985)
+ Dr. John / Gris Gris (1968)

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 Blunderbuss 
      von Jack White  

Kategorie: BluesRock / Singer/Songwriter / GarageRock / Folk 
Land: U.S.A.
Label: Xl / Beggars Group
Tracks: 13

Wertung*: -

Jack ist back! Na es war ja zu erwarten, dass das Arbeitstier bald mit etwas Neuem um die Ecke kommt, aber dass es nun ein lupenreines Solo-Album ist, war nicht unbedingt zu erwarten. Dieses Mal hat Mister John Anthony Gillis, so sein eigentlicher Name, also die Donnerbüchse = Blunderbuss alleine geladen, aber so richtig fett donnern tut das neue Album gar nicht. Wer auf ein GarageRock-Album im Geiste der White Stripes gehofft hat, der ist womöglich anfangs etwas erstaunt, aber wer auch einem Jack White zugesteht, sich zu entwickeln, der wird einige sehr hörenswerte Neuigkeiten im Kosmos von Jack White entdecken. Tollpatschig stellt sich der Meister dabei nicht an, weswegen ich davon ausgehe, dass diese weitere Übersetzungsmöglichkeit des Albumtitels nicht greift - beim Songtitel "Blunderbuss" dürfte diese Sache andersrum liegen. Ist schon ein Fuchs der Herr White!

Was mich sofort begeisterte, ist die der Klassik entliehene melodramatische Klavierpassage, die bei "Weep themselves to sleep" immer wiederkehrt und so wunderbar mit dem scheppernden Schlagzeug und der trashigen Gitarre harmoniert. Einer der schönsten und melodiösesten Songs aus Whites Feder. Ein richtig schönes Donnerwetter gibt es bei "Sixteen Saltines" - ja der Song hätte auch ohne weiteres auf ein White Stripes-Album gepasst. Wird es nicht Zeit, ihm langsam den Titel "Master of the Riffs" zu verleihen? In der offiziellen Liste der 100 größten Gitarristen des Rolling Stone steht er nur auf Platz 70! Bitte nachbessern! Die Nr. 1 ist übrigens nicht wirklich überraschend, aber die haben doch tatsächlich Jonny Marr vergessen. die spinnen die Amis! Zur Strafe für die nächste "Wetten dass ...?"-Sendung: 100 Gitarristen finden, die "This Charming Man" fehlerfrei hinbekommen!

But back to Jack! Wer sich den Ohrwürmern öfter widmet, der weiß, dass ich schon einen gewissen Hang zur Seventies-Orgelei (The Doors!) habe. Also kein Wunder, dass mir der Album-Opener "Missing Pieces" ebenfalls sehr zusagt :-))). "Blunderbuss" ist eine Blues-Country-Rock-Ballade mit tränenreicher Pedal-Steel-Guitar. Bei "Hypocritical Kiss" klingt Jack doch tatsächlich stellenweise fast so kratzig wie Axel Rose und wieder ist das Piano die Zusammenhalt gebende Kraft des Songs. "I'm Shakin'" ist eine Rock 'n' Roll-Hommage an Bo Diddley, bei der mich nur die Backing Vocals der Damen etwas stören. Aber vielleicht gewöhn ich mich ja noch dran und spätestens beim Gig am 27.6 in Köln werde ich sicher dazu shaken! Das gerne bei den Raconteurs eingesetzte Banjo darf bei "Hip Poor Boy" mit dem Klimper-Klavier aus dem Western-Saloon wild herumtollen, ehe es sich ganz am Schluss zusammenreißen muss.

Die Kritiker, die Jack Whites Kreativität wegen des hohen Outputs versiegen sehen, kann ich überhaupt nicht verstehen. Dieser Mann war bisher an keinem schlechten Album beteiligt und ich lege meine Patschhändchen ins Feuer, wenn dies in den nächsten Jahren passieren sollte! Fazit: "Blunderbluss" ist ein feines Album mit perfekt auf den Punkt gebrachten Hooklines, Melodien, knackigen Riffs und erstaunlich vielen zauberhaften Klavierpassagen.

Autor: UR

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+ Offizielle Homepage

Artverwandtes für Neugierige: 
+ The Dead Weather / Sea of Cowards (2010)
+ The White Stripes / Get behind me Satan (2005)
+ The Raconteurs / Broken Boy Soldiers (2006)

Jack White -- Love Interruption - MyVideo

"SIXTEEN SALTINES" | Jack White from AG Rojas on Vimeo.

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 SOS - Save Olli Schulz 
          von Olli Schulz 

Kategorie: Deutsch  / Singer/Songwriter / IndiePop
Land: Deutschland
Label: Trocadero
Tracks: 17

Wertung*: -

Viele Singer/Songwriter, die sich an der deutschen Sprache versuchen, enden entweder im Kitsch-Kosmos von Naidoo, im Betroffenheit-Modus der Hamburger Schule oder im Pädagogen-Pop a la Reinhard Mey etc.. Olli Schulz kommt zwar aus Hamburg, hat aber mit besagter Schule nix zu tun, nicht nur weil er mittlerweile in Berlin lebt, und auch von den anderen beiden Minenfeldern ist Olli weit entfernt. Das liegt in erster Linie an seinem genialen Sprachwitz und auch musikalisch zeigt Herr Schulz diffizilen Humor - bestes Beispiel "Ich kenn da Ein'" im Dancehall-Reggae-Style und Autotune-Effekt!

Die herausragenden Songs auf einem Album mit 17 guten Liedern sind neben dem bereits gelobten "Ich kenn da Ein'":

+ "Wenn es gut ist": ... ist es gut!

+ "Irgendwas fehlt": Romantisch, poetisch, bezaubernd.

+ "Old Dirty Man": Traurig, erhaben und weise und mit Gastvocals von Gisbert zu Knyphausen. !

+ "Spielerfrau": Das erste wahre Fußballlied für das weibliche Geschlecht ;-)

+ "H.D.F.K.K.": Die Damen bekommen ziemlich eins übergebügelt bei Olli: "Halt die Fresse krieg 'n Kind!"

+ "Koks & Nutten": Sozialdrama - Liebegeschichte - Randgruppennotiz?


Ich denke, man darf Olli zum Reifezeugnis gratulieren und retten braucht ihn auch keiner, denn er ist auf dem besten Wege!

Autor: UR

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Artverwandtes für Neugierige: 
+ Gisbert zu Knyphausen / Hurra! Hurra! So nicht. (2010)
+ Jens Friebe / Das mit dem Auto ist egal (2007)
+ Funny van Dannen / Herzscheiße (2003)

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 I love you, it's cool  
       von Norah Jones 

Kategorie: JazzPop / CountryPop / Pop / JazzSinger
Land: U.S.A.
Label: Blue Note Rec.
Tracks: 12

Wertung*: -

Die mehrfache Grammy-Gewinnerin Norah Jones wird von vielen in die Schublade "Schmuse-Jazz" geworfen, aber das wird der Tochter von Sitar-Künstler Ravi Shankar  auf keinen Fall gerecht. Die zierliche Sängerin ist nämlich sehr umtriebig und scheut es keinesfalls, auch über Genre-Grenzen hinwegzugehen. Mit der Band, den "Little Willies", legte sie 2006 und 2012 zwei lupenreine Country-Alben vor. Sie kooperierte mit den Foo Fighters, mit Outkast, mit Talib Kweli, mit Ray Charles, mit Q-Tip (A Tribe called Quest), mit Ryan Adams, M. Ward, Belle & Sebastian und Herbie Hancock. Und dies ist nur eine Auswahl, wer mehr davon will, dem sei das Album "Featuring" von 2010 empfohlen, das neben weiteren auch die genannten Kollaborationen enthält.

2011 steuerte Norah drei Songs zur wunderbaren musikalischen Hommage an die ewige Stadt "Rome" bei. Bei diesem Album traf sie erstmals auf den ebenfalls sehr umtriebigen Produzenten Danger Mouse, der nun auch das fünfte Studioalbum "Little Broken Hearts" für Norah Jones produzierte. Danger Mouse beteiligte sich außerdem am Songwriting und spielte zusammen mit der Sängerin alle Instrumente ein.

Wird nun aus dem Good Girl ein Bad Girl? Definitiv nein! "Little Broken Heart" bleibt, trotz Danger Mouse, ein typisches Norah Jones-Album, allerdings mit viel weniger Jazz- und dafür mehr Pop-Einflüssen. Ein bisschen schade ist es schon, dass Miss Jones dem grandiosen 6-Sterne-Cover im Russ Meyer-Style ("Mudhoney") an Dirtyness nicht ganz gerecht wird, da hatte ich mir ehrlich gesagt beim ersten Hören etwas mehr Danger Mouse-Einfluss erhofft.

Aber egal, alles was Norah Jones anpackt, ist immer von schlichter Eleganz und hochwertiger Produktion gekennzeichnet und ob mit oder ohne Dirtyness, mir gefällt's ;-)

Anspieltipps:

+ "Say Goodbye": Hier merkt man die "fetten" Beats von Danger Mouse recht deutlich und das ist Pop und Pop und nochmal Pop.

+ "Little Broken Hearts": Norah mit rauchiger Stimme und Keyboards-Sounds wie auf "Rome"

+ "She's 22": Eine wunderbar relaxte Gitarre und Norah lasziv

+ "Take it back": Anfangs sehr akustisch und dann doch ein bisschen schmutzig!

+ "4 Broken Hearts": Grandiose Hymne mit WahWah und hier klopft es sogar a bisserl beim Rock an!

+ "Miriam": Songs mit Frauennamen sind schon ziemlich oft sehr gut :-)

+ "All a Dream": ... und als nächstes spielt sie bestimmt in einem Tarantino-Film mit oder in "True Blood" ;-)

Autor: UR

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+ Offizielle Homepage
 

Artverwandtes für Neugierige: 
+ Danger Mouse & Daniele Luppi / Rome (2011)
+ Danger Mouse / The Gey Album (2004)
+ Norah Jones / Come away with me (2002)


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 Older than my old man now  
        von Loudon Wainwright III

Kategorie: FolkRock / Blues / Singer/Songwriter  
Land: U.S.A.
Label: Proper Rec.
Tracks: 12

Wertung*:

Das muss man nun aber zwangläufig als Alterswerk bezeichnen, denn auf  Loudon Wainwright III neustem Album dreht sich alles um das "Älter werden". Schon die Titel der einzelnen Lieder sprechen eine deutliche Sprache: "Older Than My Old Man Now", "Double Lifetime", "My Meds", "Over the Hill", "I remember Sex" und "The Days that we die". Dürfte also ein schwieriges Album sein für unsere Gesellschaft, in der der Jugendwahn immer krudere Züge trägt.

Aber wer Loudon Wainwright kennt (Rufus Wainwright
* ist sein Sohn und Martha seine Tochter, beide durften auch beim Album mitwirken - nicht nur beim Song "All in a family"), weiß, dass der Amerikaner auch eine humoristische Vergangenheit hat (er war der „singender Chirurg“ in der Militär-Klamotte M*A*S*H), und er sich seinen Themen auch immer mit einem Augenzwinkern annimmt. So auch auf diesem Werk, denn ich hoffe für ihn, dass er mit 65 Jahren, nun mehr älter als sein Vater je wurde (darauf bezieht sich der Albumtitel), seine Sexualität nicht bereits auf Null heruntergefahren hat ;-). Gast-Voice auf "I remember Sex" ist übrigens die legendäre Dame Edna!

Zur Musik: "Older than my old man now" ist ein sehr traditionelles Folkalbum, stellenweise klingt es nach Countrymusik aus den 60ern ("Double Lifetime"), verweist aber auch oft auf Blues ("Ghost Blues" - großartig die Mundharmonika!) und Jazz ("The Here & Now"). Die Stimmung wechselt zwischen heiter und getragen ("Over the Hill", "FCC in C") immer wieder hin und her, wodurch man es gut durchgängig hören kann, ohne in Altersschwermut zu versinken oder den Lachkrämpfen zu erliegen. Exzellent, alter Mann!

"I remember sex
That thing we used to do
Where you’d lay down and usually
I’d lie on top of you."

*Plattenbesprechung vom Sohnemann direkt nachfolgend!

Autor: UR

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Artverwandtes für Neugierige: 
+ Rufus Wainwright / Release the Stars (2007)
+ Martha Wainwright / Bloody Motherfucking Ashole (2004)

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 Out of the Game  
          von Rufus Wainwright  

Kategorie: JazzPop / Blues / Singer/Songwriter 
Land: U.S.A.
Label: Decca (Universal)
Tracks: 12

Wertung*: -

Also mal sehen, ob der Sohnemann mit dem Klassealbum seines Vaters mithalten kann: Rufus hat sich für sein siebtes Album Mark Ronson (Amy Winehouse, Adele) als Produzenten geangelt. Rufus selbst bezeichnet es als das poppigste Album, was er je gemacht hat und Mark Ronson äußerte sich: "Es ist das beste Album" meiner Karriere. Dem Statement von Rufus kann ich zustimmen, aber es mag vielleicht das beste Album sein, welches Ronson produziert hat, aber es ist auf gar keinen Fall das beste Album von Rufus Wainwright.

Für meinen Geschmack geht mir auf "Out of the Game" Rufus, die Drama-Queen, stellenweise zu sehr durch, viele Songs sind etwas zu sehr "Over the Top". Dem Einstiegssong "Out of the Game" hätte es beispielsweise gut getan, wenn Rufus auf die überkandidelten Chor- u. Background-Gesänge verzichtet hätte. Bei "Welcome to the Ball" klingt die Stimme jetzt vollkommen wie die eines Musicaldarsteller - und ich hasse Musicals! Einen Hang zum Töne ziehen hatte Rufus ja auch schon immer, aber bisher ging es mir eigentlich nie auf die Nerven, aber bei "Montauk" tut mir das echt weh. Dabei ist und bleibt er eigentlich ein begnadeter Sänger, was "Perfect Man" eindrucksvoll belegt, wenn er nicht zu sehr dem Theatralischen frönt.

Die am besten gelungenen Songs sind das mit hämmerndem Klavier und verzerrter Gitarre garnierte "Rashida", das swingende "Barbara" (da wären wir wieder bei der Geschichte mit Frauennamen als Songtitel), das schmeichelnde "Sometime you need" und "Respectable Dive", wo er so klingt, wie ich ihn liebe. Aber 2012 geht der Sieg für das beste Album eindeutig an den Herrn Papa!

Autor: UR

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Artverwandtes für Neugierige: 
+ Loudon Wainwright III / Older than my old man now (2012)
+ Martha Wainwright / Martha Wainwright (2005)

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 Joy 1967 - 1990  
           von Ultra Vivid Scene  

***REMEBER THAT OLD SHIT from 1990***
Kategorie: IndiePop / PsychedelicPop / Post-Punk / NewWave 
Land: U.S.A.
Label: 4AD
Tracks: 12

Wertung*:

1987 gründete Kurt Ralske in New York City die leider nur viel zu kurz existierende IndiePop-Band Ultra Vivid Scene. Zwar wurde in der Presse immer kollaboriert, es handle sich um eine "echte" Band, aber eigentlich war es eine One-Man-Show von Ralske, der bereits im zarten Alter von 16 Jahren am Boston's Berklee College of Music studierte. "Joy 1967 - 1990" war der zweite Longplayer, auf dem u. a. auch die Pixies Bassistin Kim Deal als Gastmusikerin (Vocals bei "Special One" mitwirkte, und der mit "Staring at the Sun" sogar einen kleinen Hit hervorbrachte.

Was den IndiePop von Ultra Vivid Scene zu etwas Besonderem machte, war die äußerst gelungene Mixtur aus Rückkopplungs-Effekten, des, nennen wir es mal NoisePop (Jesus and Mary Chain, etc.), wie man sie sonst in Verbindung mit zuckersüßen, bitteren Melodien selten zu hören bekommt. Diese Bitterkeit, die man als Hauptmerkmal des Soundkosmoses von UVS schnell ausmacht, findet sich auch im Albumtitel wieder, der so gewählt wurde, weil er an eine Grabinschrift erinnern sollte. Ralske outete sich vielfach in Interviews als von der "Ästhetik des Todes" fasziniert. Ich erinnere mich, dass damals ein Kritiker schrieb, die Musik erinnere ihn stark an Baudelaire ("Die Blumen des Bösen") und Oscar Wilde ("Das Bildnis des Dorian Gray"). Wohl wahr! Ein wunderbarer Vergleich, den ich absolut zutreffend finde.

Aber auch, wer den ganzen "Ballast" beiseite lässt, wird ganz einfach an den vollendeten Melodien von Ultra Vivid Scene seine Freude haben. Songs wie "Extra Ordinary", "Grey turns White", "Starring at the Sun" oder "Poison" habe ich im Laufe der Jahre bestimmt einige hundert Male gehört und Abnutzungserscheinungen sind bisher nicht aufgetreten.

Autor: UR

InfoLink:
+ UVS im InternetArchive


Artverwandtes für Neugierige: 
+ Pixies / Doolittle (1989)
+ Echo & the Bunnymen / Echo & the Bunnymen (1987)
+ The Velvet Underground / White Light/White Heat (1968)




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 Yours Truly, Cellophane Nose 
          von Beth Jeans Houghton 

Kategorie: GlamFolk  / FolkRock / ArtFolk
Land: Großbritannien
Label: Mute
Tracks: 10

Wertung*:

Die Dame machte als erstes durch ihre Kollaborationen mit Mumford & Sons oder Bon Iver auf sich aufmerksam, dann kam eine hochgelobte EP im Jahre 2009 ("Hot Toast Vol. 1") und nun legt die 21-jährige Engländerin mit "Yours Truly, Cellophane Nose" ihr Debüt vor.

Beth Jenas Houghton mag es anscheinend glamourös, denn ihren oft als Folk-Rock bezeichneten Songs haftet immer eine Opulenz an, wie man sie sonst nur im GlamRock-Gefilde kennt. Man höre nur mal die Trompeten und die gefüllten 10 Tonspuren im Einstiegssong "Sweet Tooth Bird" an. Das ist fetter und bombastischer Folk, der immer sehr rhythmisch agiert und temporär die akustische Gitarre kaum noch hören lässt. Ordnen wir die Newcomerin also mal in die soeben erschaffene Kategorie GlamFolk ein.

Die erste, bereits vorab veröffentliche Single "Dodecahedron", vereint am besten alles, was die Singer/Songwriterin ausmacht: Die hohe und doch, kann man sagen im Abgang, rauchige Stimme, wohlklingende Glöckchen und muntere Tempowechsel in einer ungewöhnlichen Komposition. Der treibenste und rockigste Song ist zweifelsohne "Atlas", so würde wahrscheinlich Kate Bush klingen, wenn sie mal das Gaspedal finden würde. Wer mal wieder das etwas in Vergessenheit geratene Spinett in der Popmusik hören möchte, der lausche mal "Nightswimmer" - ist dat nit schöööön. Für Streicherfreunde empfehlen sich "Liliputt" und "Franklin Benedict".

Das Album braucht aufgrund der Vielschichtigkeit etwas Zeit zur Entfaltung, zumindest meine Ohren benötigten Zeit, um zum Kern von "Yours Truly, Cellophane Nose" durchzudringen, aber nun bin ich restlos begeistert! Kein Lieblingssong. Alle gut!

Autor: UR

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Artverwandtes für Neugierige: 
+ Florence and the Machine / Ceremonials (2011)
+ Mumford & Sons / Sigh no ore (2009)
+ Joni Mitchell / Dog eat Dog (1985)

Beth Jeans Houghton & The Hooves of Destiny - Atlas from Juan Iglesias on Vimeo.

Beth Jeans Houghton "Dodecahedron" from Urban Outfitters on Vimeo.

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 Wir sind vorbei  
    von Enno Bunger 

Kategorie: IndiePop  / PopDeutsch / PianoPop
Land: Deutschland
Label: Pias Germany
Tracks: 10

Wertung*:

Ja, ich bin Romantiker! Nicht im Sinne der Blümchen-Sonne-Im-Gras-liegen-Träumereien, sondern eher im Sinne der blauen Blume, dem Symbol der Romantik, das für die Sehnsucht steht. Die Romantik als künstlerische Epoche, besann sich darauf, so Novalis, den Riss zwischen der Vernunfts- und der Gefühlswelt zu kitten. Enno Bungers Texte und Musik passen vorzüglich in diese Umschreibung des Romantikers Novalis und ja ich mag auch das zweite Album des Ostfriesen.

Die Sehnsucht tropft literweise aus den Melodien auf Album Nummer Zwei „Wir sind vorbei“, die er vorwiegend mit dem Klavier vorträgt. Seine Texte sind direkt, unverschlüsselt und laufen damit natürlich Gefahr, der Lächerlichkeit Preis gegeben zu werden. Es liegt in der Sache selbst, dass wenn man versucht Gefühle in Worte zu fassen, wenn man diese losgelöst von der Situation in der sie entstanden sind betrachtet, allzu leicht als Kitsch abtut, weil sie eben oftmals kitschig sind! Da haben es englischsprachige Künstler leichter, weil die Universalsprache des Pops englisch ist und die an die Texte angelegten Maßstäbe, natürlich auch aufgrund der Sprachbarriere, niedriger sind.

Enno Bunger aber wagt den Seiltanz und balanciert kunstvoll auf der Grenze zwischen romantischem Kitsch und herzzerreißender Sehnsucht. Man muss allerdings schon den Schutzwall öffnen und die Romantik hereinlassen, weil mit der Sanftheit, die Enno Bunger umgibt, keine Türen eingetreten werden. Also Hirn etwas dimmen, Herz öffnen und lauschen:

+ „Präludium“: Romantik! Instrumental! Fein!

+ „Ein Astronaut“: Diese Figur wird wohl im Pop langsam zum Sinnbild des Einsamen in Sehnsucht Ertrinkenden – Schuld ist natürlich David Bowie!

+ „Euphorie“: Würde englisch gesungen und Chris Martin sängen, wäre der Song in den Charts weit oben.

+ „Die Flucht“: Text! Sehnsucht paart sich mit Wut!

+ „Regen“: Tränenreiche Piano-Ballade mit Coldplay-Damaturgie

+ „Ich möchte noch bleiben“: Gaaaanz nah am Kitsch!


Für alle, die es auch mit dem Zaunpfahl-Titel „Wir sind vorbei“ noch nicht kapiert haben: Dies ist ein Trennungsalbum in traurigstem Moll par Excellence.

Autor: UR

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Artverwandtes für Neugierige: 
+ Tom Liwa / Goldrausch (2012)
+ Coldplay / Mylo Xyloto (2011)
+ Kettcar / Sylt (2008)
+ Keane / Hopes and Fears (2004)

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 Boys & Girls  
        von Alabama Shakes

Kategorie: SwampRock / SoulRock / SouthernRock / Blues  
Land: U.S.A.
Label: Rough Trade / Beggars Group
Tracks: 11

Wertung*:

Mit ihrer Debüt-EP  "Albama Shakes" setzte das Quartett aus Athens in Alabama 2011 ein erstes Ausrufezeichen. Die Plattenfirmen ließen sich daraufhin nicht lange bitten und nun steht also der erste Longplayer "Boys & Girls" im Regal. Mit auf der Scheibe ist natürlich der Hit "Hold on", der in den einschlägigen Videoportalen im Internet schon fulminante Zugriffszahlen einfuhr. Wer diesen Song ohne visuelle Mittel das erste Mal hört, der wird denken, "geiler Sänger, den die Band da am Mikro hat" und leider völlig daneben liegen, denn die Vocals stammen von Brittany Howard und die ist schwarz und weiblich :-).

Bei den anderen Songs wie zum Beispiel der Nummer "I found you" tritt das Geschlecht schon deutlicher zu Tage vor allem, weil die Band weniger rockt, sondern mehr dem Soul und Blues zugetan ist. Gleiches gilt für "Hang Loose" und mit Abstrichen bei "Rise to the sun", wo Brittany mich auch an die selige Amy Winehouse erinnert. Highlight in Sachen Soul ist sicher das atemberaubende Titelstück "Boys & Girls". Die Blues-Nummer schlechthin ist "Be Mine" - da lässt die andere verblichene Röhre, namens Janis Joplin grüßen. Amy und Janis ich vermisse euch trotzdem!

Leider sind die rockigen Nummern wie das bereits erwähnte "Hold on" eher die Ausnahme, das macht das Album keinesfalls schlecht, aber aufgrund der Single hatte ich mir deutlich mehr erwartet. Das Potential ist definitiv vorhanden, besonders, wenn man sich im Netz die Live-Auftritte der Band ansieht, aber auf dem Debüt-Album wurde leider auf Nummer sicher gesetzt und somit viele Möglichkeiten verschenkt.

Fazit: Handmade-Musik mit Schmackes, nicht zu glatt und schnörkellos, sondern mit Verve, Groove und ein bisschen Schmutz an den Händen, aber auch ziemlich Retro oder wenn man böse sein will: altbacken.

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Artverwandtes für Neugierige: 
+ Kings of Leon / Youth & Young Manhood (2003)
+ The Black Crowes / Shake Your Money Maker (1990)
+ Janis Joplin / Cheap Thrills (1968)


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 Douze Pouze  
    von Stabile Elite 

Kategorie: SynthiPop  / ElectroPop / ClusterPop
Land: Deutschland
Label: Italic
Tracks: 12

Wertung*:

Palais Schaumburg („Drei gerade Zahlen“) meets Kraftwerk meets Rheingold.

Zwangsläufig kann eine Band, die sich so an den Wurzeln der deutschen elektronischen Popmusik orientiert, nur aus Köln oder Düsseldorf kommen. Letzteres ist der Fall, aber wie zum Ausgleich dürfen die Düsseldorfer auf der c/o pop in Köln den diesjährigen Identifikationssong „Gold“ (auf der letztjährigen EP), in dem es um König Midas geht, stellen.

Musikalisch kann ich, entgegen vielen Berichten im Feuilleton großer deutscher Zeitungen (FAZ) allerdings nichts wirklich Neues beim Debütalbum „Douze Pouze“ ausmachen. Die Stabile Elite klingt wirklich genau wie die in den 80er Jahren im Zuge der Neuen Deutschen Welle groß gewordenen Bands, die den analogen Synthesizer als zentrales Instrument nutzten. Mal mehr nach Rheingold („Hydravion“, „Dreiklang“), mal nach Neu! („Revue 12“), mal nach D.A.F. („Expo“) und mal schon copyrightsverletzungsnahe an Kraftwerk („Rave Maria“). Das ist gut gemachter deutscher Pop, hochtanzbar und mit jeder Menge Groove („Wir kommen aus“), aber sollte man da nicht lieber gleich die Originale hören?

Warum nicht beides? Eben. Es ist nicht NEU!, aber es macht Spaß und ab und an brauchen meine Boxen diese Retro-Keyboard-Sphären, die Mini-Moog-Sounds und was bitte ist so schlimm an Wiederaufgewärmten? Eine Paella schmeckt nach ein paar Tagen sogar noch besser!! Mahlzeit!

Anspieltipps:

+ „Drei gerade Zahlen“: Es lebe der Ombudsmann!

+ „Agent Orange“: Flirrt wie Hitze über einem orientalischen Bazar. Hypnotisch.

+ „Expo“: Surrt gefährlich und knurrt böse.

Autor: UR

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Artverwandtes für Neugierige: 
+ Kraftwerk / Computerwelt (1981)
+ Palais Schaumburg / Palais Schaumburg (1981)
+ La Düsseldorf / Viva (1978)
+ Neu! / Neu! 2 (1973)


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 In Time to Voices  
    von Blood Red Shoes 

Kategorie: Alternative  / Rock / IndieRock
Land: Großbritannien
Label: Cooperative Music
Tracks: 11

Wertung*:

Dass man nur zu Zweit gut abrocken kann, wurde in den letzten Jahren ja schon von so einigen Bands (The White Stripes, The Black Keys, etc.) bewiesen, ganz klar ebenfalls, in diese Riege gehört auch das Duo Blood Red Shoes aus Brighton. Laura-Mary Carter und Steven Ansell teilen sich die Vocals. Während Madame beim Singen die Gitarre schrubbt, bearbeitet der Herr das Schlagzeug. Wer den Sound von Blood Red Shoes hört, glaubt im Leben nicht, dass nur zwei Personen so ein Brett kreieren können!

Den Stil der beiden darf man wohl getrost als klassische Rockmusik bezeichnen, das ist zur Zeit nicht so hip, aber wenn man berücksichtigt, dass es The Subways mit einem lausigen letzten Album geschafft haben große Hallen zu füllen, dann freut man sich doppelt, dass Blood Red Shoes den Jungspunden hier ganz klar zeigen, wo der Hammer hängt. DAS ist ROCK!

"Cold" ist hymnisch, melodiös und hat trotzdem die richtige Dosis Aggressivität. Ebenso wie das erdige "Down here in the Dark"."Lost Kids" eignet sich als Motto für die angesprochene Zielgruppe - brilliert mit knackigem Mitsing-Refrain und grungt sogar ganz ordentlich. "Balladen" oder besser sanfte Songs sind eigentlich nicht so das Ding des Duos, aber "The Silence and the Drones" geht in Ordnung. Vollgas mit Energie bis zum Bersten liegt ihnen da besser, was der PunkRock-Song "Je me perds" klar beweist! Aber auch in Punkto Songwriting haben die beiden zugelegt: "Slip into Blue" ist erstaunlich zerbrechlich und filigran.

Insgesamt hält die Band das Niveau, obwohl das Spektrum etwas geweitet wurde und nun auch ruhigere Songs stattfinden durften.

Autor: UR

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Artverwandtes für Neugierige: 
+ The Duke Spirit / Bruiser
+ The Subways / Young for Eternity (2005)

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 Under the No Sky  
               von Super 700 

Kategorie: IndiePop  / Pop / Singer/Songwriter
Land: Deutschland
Label: Motor
Tracks: 11

Wertung*:

Ein Berliner Quartett! Und man hört es nicht! Das vorherige Album, von den international angesehenen Produzenten Gordon Raphael (Strokes, Regina Spektor) und Rob Kirwan (U2, PJ Harvey) produziert, erfüllte nicht die Erwartungen. Nun entschloss sich die Band "Under the No Sky" in Eigenregie zu produzieren und die Berliner haben wohl beim Vorgänger gut aufgepasst, denn die Produktion kann sich sehen, besser, hören lassen.

Super 700 - dämlicher Name, keine Ahnung wie er entstand - machen leicht schrulligen IndiePop, der vor allem von der Strahlkraft und Stimme von Sängerin Ibadet Ramadani lebt. Ibadet Ramadani verfügt über eine Stimme, die manchmal stark an Feist, wie zum Beispiel bei "One of a Kind" erinnert, aber auch tief hinabsteigen kann ("21 Century Girl"). "One of a Kind" ist ein zarter Popsong mit Piano, einer verhalten verstimmten Gitarre und gedämpftem Schlagzeug. Der Titeltrack "Under the No Sky" klingt wie U2 in den 80ern (wäre da nicht die Stimme) und versinkt in der vielleicht etwas zu lieblichen Melodie.

Ein bezauberndes Stück ist "When the Evening Comes"! Die Trommeln aus der afrikanischen Musik passen ganz hervorragend in dieses in sich selbst versunkene Etwas. Fein, fein! Mit sphärischen Glockenklängen und Streichern, durchbrochen von marschierenden Trommeln, machen die Berliner Regen ("Make Rain"), davon hat man als Kölner ja eigentlich genug, aber falls mal wirklich eine Trockenperiode einsetzt ;-). Minimalistisch, mit Dub-Attitüde, ist "My Bones" einer der stärksten Songs des Albums (oder doch "Old Moon"?) - falls Herr James Blake mal wieder was covern will, würde ich mich über eine Neuinterpretation dieses Tracks freuen.

Wer jetzt noch immer nicht vom Kauf des Albums überzeugt ist, der möge bitte "Decent Snow", denn das ist der versteckte Hit des Albums, hören, damit die Band nach ihrer Neuorientierung das erhält, was ihr gebührt: Erfolg!

Autor: UR

InfoLink:
+ Offizielle Homepage
 

Artverwandtes für Neugierige: 
+ Feist / The Reminder (2007)
+ PJ Harvey / White Chalk (2007)


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 Wonky  
          von Orbital 

Kategorie: Ambient  / Electronic / Techno / Rockin' Beats
Land: Großbritannien
Label: Rykodisc
Tracks: 9

Wertung*:

Verdammt lange acht Jahre ist es her, dass die beiden Brüder Phil und Paul Hartnoll, alias Orbital ein Lebenszeichen in den elektronischen Soundkosmos sandten. Ich habe sie schlichtweg vermisst die beiden Zauberer, die mit „In Sides“ ein Ambient-Album erschufen, bei dem man nicht einschlafen kann und die mit „Satan“ und "The Box" epochale elektronische Meisterwerke schufen.

Nun sind sie also zurück im Ring und feuern erneut fette Rockin`Beats („Where is it going“) und blubbernde Space-Kaskaden und Handclaps („Stringy Acid“) aus allen Rohren, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sie scheren sich wirklich nur ganz marginal um neue Soundstrukturen (Dubstep, etc.), sondern setzen weiterhin zu Recht auf ihre kompositorischen Qualitäten, die sie heute wie damals klar von der Kirmes-Konkurrenz (Skrillex & Co) abheben.

Dass sie aber durchaus ihre Lauscherchen am Puls der Zeit haben, verraten Orbital, indem sie zum Track „New France“ niemand Geringeren als Zola Jesus ans Mikro holen. Mit dem Song lässt sich eine technoide Tanzburg ganz sicher problemlos zur Eruption treiben. Weiteres Beispiel, der Titeltrack „Wonky“, zu dem Grime-Lady Leshurr auf knüppelharten Beats ebensolche Rap-Salven knallt – von „Die Antwoord“, haben die beiden Brüder also auch schon gehört ;-)

Konsumhinweis: Funktioniert am besten über Kopfhörer oder aber, wenn die Nachbarn verreist sind, der Volume-Regler am Limit ist und ihre Boxen über ausreichend Bässe („Beelzedub“ - ja hier wird schon ein wenig gedubsteppt ;-)) verfügen.

Autor: UR

InfoLink:
+ Offizielle Homepage
 

Artverwandtes für Neugierige: 
+ Die Antwoord / Ten$Ion (2012)
+ The Chemical Brothers / Push the Button (2005)

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 The Lumineers  
          von The Lumineers  

Kategorie: FolkPop / CountryFolk / FolkPop
Land: U.S.A.
Label: Dualtone
Tracks: 11

Wertung*: -

The Lumineers kommen aus Colorado und machen nostalgische Musik, die in den besten Momenten an die Engländer vom Mumford & Sons erinnert - man höre "Flowers in your Hair". Wer auf Lagerfeuer steht, kann schon mal Holz sammeln, die richtige Beschallung ist mit "The Lumineers" jetzt auf dem Markt - man kann ja mal den Cash-Alben ne kleine Pause gönnen. Unaufgeregte Musik mit schwelgenden Geigern, rasantem Tempoanstieg und wenn da nicht der amerikanische Akzent wäre, könnte man denken, die Band stamme von der grünen Insel Irland.

Frontmann Weesley Schulz hat eine so schön krächzende Stimme wie ich sie zuletzt bei dem im Jahre 2004 verstorbenen Kevin Coyne gehört habe. Ganz exzellent tritt dieses Organ zu Tage, wenn Wesley zu akustischen Klängen wie beispielsweise bei "Slow it down", "Dead Sea" oder "Charlie Boy" für andächtiges Lauschen sorgt. Das funktioniert auch prima bei Pianobekleidung: "Flapper Girl". Sehr bezaubernd ist der Handclapping-Song "Big-Parade", bei dem man unweigerlich mit den Füßen mitstampfen muss und ich mich fühle, als hätte ich in einem irischen Pub gerade das vierte Guiness getrunken. Die erste Singleauskopplung "Ho Hey" ist ein Ohrwurm, der sicher bei Liveauftritten der Band für kräftiges Mitsingen im Publikum sorgen wird. Beim letzten Song "Morning Song" dürfen die Gitarren dann sogar temporär etwas lärmen, ehe es wieder akustisch weitergeht und die inbrünstige Stimme Wesleys wieder im Vordergrund steht.

In Gänze ein sehr reifes und rundes Album mit sehr vielen hervorragenden Songs, dass bei mir die nächsten Wochen sicher in Heavy-Rotation laufen wird und ich ihm zutraue, die 6 Sterne bis Ende des Jahres doch noch vollzumachen.

Autor: UR

InfoLink:
+ Offizielle Homepage
 

Artverwandtes für Neugierige: 
+ Ryan Adams / Ashes and Fire (2011)
+ Mumford & Sons / Sigh No More (2009)
+ The Avett Brothers / Emotionalism (2007)


 

*Wertung: = Müll ; = lausig; = geht so; = wirklich gut; = Exzellent; = Meisterwerk!