Pond könnte man als Zweitband von
Tame Impala bezeichnen, schließlich sind nun drei Mitglieder (Kevin
Parker, Jay Watson, Nick Allbrook - es fehlt nur
Dominic Semper [Bass, Perkussions, Gitarre]) von Tame
Impala Bandmitglieder. Zusätzlich sind noch dabei Jamie Terry
(The Silents), Cam Every und Joseph Ryan, womit die Band nun
aus 6 Mitgliedern besteht.
Fünf Wochen zog sich die Band in ein
kleines Farmhaus in Eagle Bay zurück, übernachtete teilweise in
Zelten wegen des akuten Platzmangels, und fing an zu jammen -
wahrscheinlich bis ihnen die Finger bluteten, denn die Spielfreude ist
diesem Album als allererstes anzumerken. Wenn man diese kleine Anekdote
nun kennt, kann man den Albumtitel "Beard Wives Denim" auch
besser einordnen :-)
Der Sound von Pond und
Tame
Impala ist sehr ähnlich. Bei beiden Bands orgelt das Keyboard als
wäre es restlos bekifft und die Gitarren dürfen gerne Feedbacks erzeugen
und flächig klingen. Möchte man differenzieren, dann würde ich Tame
Impala mehr Pop und Pond mehr Rock attestieren. Ein weiteres
Unterscheidungsmerkmal ist, dassTame Impala-Alben sehr gut
ausproduziert, und Pond-Alben eher wie ein großer Jam, wirken.
Aber egal, was man bevorzugt, eins ist sicher, wenn man die Stone Roses mag und sich im BritRave
der beginnenden 90er heimisch fühlte, dann wird man auch Pond mögen!!
Beste Songs:
+ "Fantastic
Explosion of Time": Fantastische Riffs, knackige Hookline und ne
fette Rockröhre. Was will man(n) mehr?
+ "Elegant Design":
Kann elegantes Design schlecht sein? Natürlich nicht! Klingt verdammt
nach den Inspiral Carpets! I love it ... dieser Chorus!
+ "Sorry I was under the Sky": Die ultimative Fortsetzung von "Lucy
in the Sky with Diamonds"
+ "You Broke my Cool":
Wunderschönes verschrobenes Stück GlamRock und Sänger Nick "Paisley
Adams" Allbrook klingt wie der junge Bowie!
+ "Dig
Brother": Welcome Retro, welcome to the Beatles-World.
72 Jahre und kein bisschen leise. Der Blues-Doctor aus
New Orleans wird wahrscheinlich erst aufhören grandiose Platten
(mittlerweile 35 Alben!) zu
veröffentlichen, wenn er in der Kiste liegt. So eine legendäre Psychedelic-Funk-Blues-Afro-Nummer wie "Revolution" bekommt halt
auch wirklich nur der Doctor hin!
Das neue Album "Locked
Down" wurde von Dan Auerbach von den Black Keys
produziert, und das merkt man unterschwellig auch durch diese wunderbare Dirtyness in der Gitarrenarbeit und es macht das 35. Dr. John-Album
zu einem der besten - mein Liebling bleibt aber weiterhin das
Debüt-Meisterwerk "Gris Gris" von 1968.
Bei "Big Shot", einer groovenden
Blues-Nummer, merkt man deutlich, dass der legendäre Tom Waits
und Dr. John (bürgerlich: Malcolm (Mac) John Rebennack Jr.)
stilistisch gar nicht sooo weit auseinanderliegen. Dass beide über hohe
musikalische Kompetenz verfügen, ist sowieso keine Frage! Die Orgel auf "Ice
Age" ist freaky und wird Doors-Liebhabern ein Quell der
Freude sein. Am deutlichsten merkt man Auerbachs Einfluss bei "Getaway",
würde mich nicht wundern, wenn der Song aus seiner Feder stammt. "Kingdom
of Izzness" ändert so gekonnt zwischen Soul, Blues und Funk, dass
man es sicher auf einer Motown-Soul-Party spielen könnte, ohne dass dies
das Publikum übel nehmen würde. "Eleggua" bedient sich ähnlich
wie "Revolution" bei Sounds aus der afrikanischen Musikküche
und erinnert mich stark an die Afrojazz-Sachen von Manu Dibango
aus den 80ern. "My Children, my Angels" klingt nach Frank
Zappa und Dr. John klimpert höchst relaxt - Song für
einen sehr sehr schweren Rotwein.
Fantastisches SumpfRock-Meisterwerk
des Mythos Dr. John, das
groovt und rockt, als wäre der betagte Doctor in einen Jungbrunnen
gefallen! Danke Herr Auerbach für diese
Wiederbelebung!
Artverwandtes
für Neugierige: + Tom Waits / Bad as me (2011) + Dan
Auerbach / Keep it Hid (2009) + Manu Dibango / Electric Afrika (1985)
+ Dr. John / Gris Gris (1968)
Jack ist back! Na es war ja zu erwarten, dass
das Arbeitstier bald mit etwas Neuem um die Ecke kommt, aber dass es nun
ein lupenreines Solo-Album ist, war nicht unbedingt zu erwarten. Dieses
Mal hat Mister John Anthony Gillis, so sein eigentlicher Name,
also die Donnerbüchse = Blunderbuss alleine geladen, aber so
richtig fett donnern tut das neue Album gar nicht. Wer auf ein
GarageRock-Album im Geiste der White Stripes gehofft hat, der
ist womöglich anfangs etwas erstaunt, aber wer auch einem Jack White
zugesteht, sich zu entwickeln, der wird einige sehr hörenswerte
Neuigkeiten im Kosmos von Jack White entdecken. Tollpatschig
stellt sich der Meister dabei nicht an, weswegen ich davon ausgehe, dass
diese weitere Übersetzungsmöglichkeit des Albumtitels nicht greift -
beim Songtitel "Blunderbuss" dürfte diese Sache andersrum liegen. Ist
schon ein Fuchs der Herr White!
Was mich sofort
begeisterte, ist die der Klassik entliehene melodramatische
Klavierpassage, die bei "Weep themselves to sleep" immer
wiederkehrt und so wunderbar mit dem scheppernden Schlagzeug und der trashigen Gitarre harmoniert. Einer der schönsten und melodiösesten
Songs aus Whites Feder.
Ein richtig schönes Donnerwetter gibt es bei "Sixteen
Saltines" - ja der Song hätte auch ohne weiteres auf ein White
Stripes-Album gepasst. Wird es nicht Zeit, ihm langsam den Titel
"Master of the Riffs" zu verleihen? In der offiziellen
Liste der 100 größten Gitarristen des Rolling Stone
steht er nur auf Platz 70! Bitte nachbessern! Die Nr. 1 ist übrigens
nicht wirklich überraschend, aber die haben doch tatsächlich Jonny
Marr vergessen. die spinnen die Amis! Zur Strafe für die nächste "Wetten
dass ...?"-Sendung: 100 Gitarristen finden, die "This Charming
Man" fehlerfrei hinbekommen!
But back to Jack! Wer
sich den Ohrwürmern öfter widmet, der weiß, dass ich schon einen gewissen
Hang zur Seventies-Orgelei (The Doors!) habe. Also kein Wunder,
dass mir der Album-Opener "Missing Pieces" ebenfalls sehr
zusagt :-))). "Blunderbuss" ist eine Blues-Country-Rock-Ballade
mit tränenreicher Pedal-Steel-Guitar. Bei "Hypocritical Kiss" klingt
Jack doch tatsächlich stellenweise fast so kratzig wie Axel Rose
und wieder ist das Piano die Zusammenhalt gebende Kraft des Songs. "I'm
Shakin'" ist eine Rock 'n' Roll-Hommage an Bo Diddley, bei
der mich nur die Backing Vocals der Damen etwas stören. Aber vielleicht
gewöhn ich mich ja noch dran und spätestens beim Gig am 27.6 in Köln
werde ich sicher dazu shaken! Das gerne bei den Raconteurs
eingesetzte Banjo darf bei "Hip Poor Boy" mit dem
Klimper-Klavier aus dem Western-Saloon wild herumtollen, ehe es sich ganz
am Schluss zusammenreißen muss.
Die Kritiker, die Jack Whites
Kreativität wegen des hohen Outputs versiegen sehen, kann ich
überhaupt nicht verstehen. Dieser Mann war bisher an keinem schlechten
Album beteiligt und ich lege meine Patschhändchen ins Feuer, wenn dies
in den nächsten Jahren passieren sollte! Fazit: "Blunderbluss"
ist ein feines Album mit perfekt auf den Punkt gebrachten Hooklines,
Melodien, knackigen Riffs und erstaunlich vielen
zauberhaften Klavierpassagen.
Artverwandtes
für Neugierige: + The Dead Weather / Sea of Cowards (2010)
+ The White Stripes / Get behind me Satan (2005) + The Raconteurs /
Broken Boy Soldiers (2006)
Viele Singer/Songwriter, die sich an der
deutschen Sprache versuchen, enden entweder im Kitsch-Kosmos von Naidoo, im Betroffenheit-Modus der Hamburger Schule oder im
Pädagogen-Pop a la Reinhard Mey etc..
Olli Schulz
kommt zwar aus Hamburg, hat aber mit besagter Schule nix zu tun, nicht
nur weil er mittlerweile in Berlin lebt, und auch von den anderen beiden
Minenfeldern ist Olli weit entfernt. Das liegt in erster Linie an seinem
genialen Sprachwitz und auch musikalisch zeigt Herr Schulz
diffizilen Humor - bestes Beispiel "Ich kenn da Ein'" im
Dancehall-Reggae-Style und Autotune-Effekt!
Die herausragenden
Songs auf einem Album mit 17 guten Liedern sind neben dem bereits
gelobten "Ich kenn da Ein'":
Artverwandtes
für Neugierige: + Gisbert zu Knyphausen / Hurra! Hurra! So
nicht. (2010) + Jens Friebe / Das mit dem Auto ist egal (2007) +
Funny van Dannen / Herzscheiße (2003)
Die mehrfache Grammy-Gewinnerin Norah Jones
wird von vielen in die Schublade "Schmuse-Jazz" geworfen, aber das wird
der Tochter von Sitar-Künstler Ravi Shankar
auf keinen Fall gerecht. Die zierliche Sängerin ist nämlich sehr
umtriebig und scheut es keinesfalls, auch über Genre-Grenzen
hinwegzugehen. Mit der Band, den "Little Willies", legte sie
2006 und 2012 zwei lupenreine Country-Alben vor. Sie
kooperierte mit den Foo Fighters, mit Outkast, mit
Talib Kweli, mit Ray Charles, mit Q-Tip (A
Tribe called Quest), mit Ryan Adams, M. Ward,
Belle & Sebastian und Herbie Hancock. Und dies ist nur
eine Auswahl, wer mehr davon will, dem sei das Album "Featuring"
von 2010 empfohlen, das neben weiteren auch die genannten
Kollaborationen enthält.
2011 steuerte Norah drei Songs
zur wunderbaren musikalischen Hommage an die ewige Stadt "Rome"
bei. Bei diesem Album traf sie erstmals auf den ebenfalls sehr
umtriebigen Produzenten Danger Mouse, der nun auch das fünfte
Studioalbum "Little Broken Hearts" für Norah Jones
produzierte. Danger Mouse beteiligte sich außerdem am
Songwriting und spielte zusammen mit der Sängerin alle Instrumente ein.
Wird nun aus dem Good Girl ein Bad Girl? Definitiv nein! "Little
Broken Heart" bleibt, trotz Danger Mouse, ein typischesNorah Jones-Album, allerdings mit viel weniger Jazz- und dafür
mehr Pop-Einflüssen. Ein bisschen schade ist es schon, dass Miss
Jones dem grandiosen 6-Sterne-Cover im
Russ Meyer-Style ("Mudhoney") an Dirtyness nicht ganz
gerecht wird, da hatte ich mir ehrlich gesagt beim ersten Hören etwas mehr
Danger
Mouse-Einfluss erhofft.
Aber egal, alles was Norah Jones
anpackt, ist immer von schlichter Eleganz und hochwertiger Produktion
gekennzeichnet und ob mit oder ohne Dirtyness, mir gefällt's ;-)
Anspieltipps:
+ "Say Goodbye": Hier merkt man die "fetten" Beats von
Danger Mouse recht deutlich und das ist Pop und Pop und nochmal
Pop.
+ "Little Broken Hearts": Norah mit rauchiger
Stimme und Keyboards-Sounds wie auf "Rome"
+ "She's 22":
Eine wunderbar relaxte Gitarre und Norah lasziv
+ "Take
it back": Anfangs sehr akustisch und dann doch ein bisschen
schmutzig!
+ "4 Broken Hearts": Grandiose Hymne mit WahWah
und hier klopft es sogar a bisserl beim Rock an!
+ "Miriam":
Songs mit Frauennamen sind schon ziemlich oft sehr gut :-)
+ "All
a Dream": ... und als nächstes spielt sie bestimmt in einem
Tarantino-Film mit oder in "True Blood" ;-)
Artverwandtes
für Neugierige: + Danger Mouse & Daniele Luppi / Rome (2011)
+ Danger Mouse / The Gey Album (2004) + Norah Jones / Come away with me
(2002)
Das muss man nun aber zwangläufig als
Alterswerk bezeichnen, denn auf Loudon
Wainwright IIIneustem Album dreht sich alles um das
"Älter werden". Schon die Titel der einzelnen Lieder sprechen eine
deutliche Sprache: "Older Than My Old Man Now",
"Double Lifetime", "My
Meds", "Over the Hill",
"I remember Sex" und "The
Days that we die". Dürfte also ein schwieriges
Album sein für unsere Gesellschaft, in der der Jugendwahn immer krudere
Züge trägt.
Aber wer Loudon Wainwright kennt
(Rufus Wainwright
*
ist sein Sohn und Martha seine
Tochter, beide durften auch beim Album mitwirken - nicht nur beim Song "All
in a family"), weiß, dass der Amerikaner auch eine
humoristische Vergangenheit hat (er war der „singender Chirurg“ in der
Militär-Klamotte M*A*S*H), und er sich seinen Themen auch immer mit
einem Augenzwinkern annimmt. So auch auf diesem Werk, denn ich hoffe für
ihn, dass er mit 65 Jahren, nun mehr älter als sein Vater je wurde
(darauf bezieht sich der Albumtitel), seine Sexualität nicht bereits auf
Null heruntergefahren hat ;-). Gast-Voice auf "I remember Sex"
ist übrigens die legendäre Dame Edna!
Zur Musik: "Older than
my old man now" ist ein sehr traditionelles Folkalbum, stellenweise
klingt es nach Countrymusik aus den 60ern ("Double Lifetime"),
verweist aber auch oft auf Blues ("Ghost Blues" - großartig die Mundharmonika!) und Jazz
("The Here & Now"). Die Stimmung wechselt zwischen heiter und
getragen ("Over the Hill", "FCC in C") immer wieder
hin und her, wodurch man es gut durchgängig hören kann, ohne in
Altersschwermut zu versinken oder den Lachkrämpfen zu erliegen.
Exzellent, alter Mann!
"I remember sex That thing we used to do Where
you’d lay down and usually I’d lie on top
of you."
*Plattenbesprechung vom
Sohnemann direkt nachfolgend!
Also mal sehen, ob der Sohnemann mit dem
Klassealbum seines Vaters mithalten kann: Rufus hat sich für sein
siebtes Album Mark Ronson (Amy Winehouse, Adele) als Produzenten
geangelt. Rufusselbst bezeichnet es als das poppigste Album, was er je
gemacht hat und Mark Ronson äußerte sich: "Es ist das beste Album" meiner
Karriere. Dem Statement von Rufus kann ich zustimmen, aber es mag
vielleicht das beste Album sein, welches Ronson produziert hat, aber es
ist auf gar keinen Fall das beste Album von Rufus Wainwright.
Für
meinen Geschmack geht mir auf "Out of the Game" Rufus, die Drama-Queen,
stellenweise zu
sehr durch, viele Songs sind etwas zu sehr "Over the Top". Dem
Einstiegssong "Out of the Game" hätte es beispielsweise gut
getan, wenn Rufus auf die überkandidelten Chor- u.
Background-Gesänge verzichtet hätte. Bei "Welcome to the Ball"
klingt die Stimme jetzt vollkommen wie die eines Musicaldarsteller - und
ich hasse Musicals! Einen Hang zum Töne ziehen hatte Rufus ja
auch schon immer, aber bisher ging es mir eigentlich nie auf die Nerven,
aber bei "Montauk" tut mir das echt weh. Dabei ist
und bleibt er eigentlich ein begnadeter Sänger, was "Perfect Man"
eindrucksvoll belegt, wenn er nicht zu sehr dem Theatralischen frönt.
Die am besten
gelungenen Songs sind das mit hämmerndem Klavier und verzerrter Gitarre
garnierte "Rashida", das swingende "Barbara" (da wären
wir wieder bei der Geschichte mit Frauennamen als Songtitel), das
schmeichelnde "Sometime you need" und "Respectable
Dive", wo er so klingt, wie ich ihn liebe. Aber 2012 geht der Sieg
für das beste Album eindeutig an den Herrn Papa!
1987 gründete Kurt Ralske in New York City
die leider nur viel zu kurz existierende IndiePop-Band Ultra Vivid
Scene. Zwar wurde in der Presse immer kollaboriert, es handle sich
um eine "echte" Band, aber eigentlich war es eine One-Man-Show von Ralske, der bereits im zarten
Alter von 16 Jahren am Boston's
Berklee College of Music studierte. "Joy 1967 - 1990" war der zweite Longplayer, auf dem u.
a. auch die Pixies Bassistin Kim Deal als Gastmusikerin
(Vocals bei "Special One" mitwirkte, und der mit "Staring at the Sun" sogar einen kleinen
Hit hervorbrachte.
Was den IndiePop von Ultra Vivid Scene
zu etwas Besonderem machte, war die äußerst gelungene Mixtur aus
Rückkopplungs-Effekten, des, nennen wir es mal NoisePop (Jesus and
Mary Chain, etc.), wie man sie sonst in Verbindung mit zuckersüßen,
bitteren Melodien selten zu hören bekommt. Diese Bitterkeit, die
man als Hauptmerkmal des Soundkosmoses von UVS
schnell ausmacht, findet sich auch im Albumtitel wieder, der so gewählt
wurde, weil er an eine Grabinschrift erinnern sollte. Ralske outete sich
vielfach in Interviews als von der "Ästhetik des Todes" fasziniert. Ich
erinnere mich, dass damals ein Kritiker schrieb, die Musik erinnere ihn
stark an Baudelaire ("Die
Blumen des Bösen") und Oscar
Wilde ("Das Bildnis des
Dorian Gray"). Wohl wahr! Ein wunderbarer
Vergleich, den ich absolut zutreffend finde.
Aber auch,
wer den ganzen "Ballast" beiseite lässt, wird ganz einfach an den
vollendeten Melodien von
Ultra Vivid Scene seine Freude haben. Songs wie "Extra Ordinary",
"Grey turns White", "Starring at the Sun" oder "Poison" habe ich im Laufe der
Jahre bestimmt einige hundert Male gehört und Abnutzungserscheinungen
sind bisher nicht aufgetreten.
Die Dame machte als erstes durch ihre
Kollaborationen mit Mumford & Sons oder Bon Iver auf
sich aufmerksam, dann kam eine hochgelobte EP im Jahre 2009 ("Hot
Toast Vol. 1") und nun legt die 21-jährige Engländerin mit "Yours
Truly, Cellophane Nose" ihr Debüt vor.
Beth
Jenas Houghton mag es anscheinend glamourös, denn
ihren oft als Folk-Rock bezeichneten Songs haftet immer eine Opulenz an,
wie man sie sonst nur im GlamRock-Gefilde kennt. Man höre nur mal die
Trompeten und die gefüllten 10 Tonspuren im Einstiegssong "Sweet
Tooth Bird" an. Das ist fetter und
bombastischer Folk, der immer sehr rhythmisch agiert und temporär die
akustische Gitarre kaum noch hören lässt. Ordnen wir die Newcomerin also
mal in die soeben erschaffene Kategorie GlamFolk ein.
Die erste,
bereits vorab veröffentliche Single "Dodecahedron",
vereint am besten alles, was die Singer/Songwriterin ausmacht: Die hohe
und doch, kann man sagen im Abgang, rauchige Stimme, wohlklingende
Glöckchen und muntere Tempowechsel in einer ungewöhnlichen Komposition.
Der treibenste und rockigste Song ist zweifelsohne "Atlas", so würde
wahrscheinlich Kate Bush klingen, wenn sie mal das Gaspedal
finden würde. Wer mal wieder das etwas in Vergessenheit geratene Spinett
in der Popmusik hören möchte, der lausche mal "Nightswimmer" -
ist dat nit schöööön. Für Streicherfreunde empfehlen sich "Liliputt"
und "Franklin Benedict".
Das Album braucht aufgrund der Vielschichtigkeit
etwas Zeit
zur Entfaltung, zumindest meine Ohren benötigten Zeit, um zum Kern
von
"Yours Truly, Cellophane Nose" durchzudringen, aber nun bin ich
restlos begeistert! Kein Lieblingssong. Alle gut!
Artverwandtes
für Neugierige: + Florence and the Machine / Ceremonials
(2011) + Mumford &
Sons / Sigh no ore (2009) + Joni Mitchell / Dog eat Dog (1985)
Ja, ich bin Romantiker! Nicht im Sinne der
Blümchen-Sonne-Im-Gras-liegen-Träumereien, sondern eher im Sinne der
blauen Blume, dem Symbol der Romantik, das für die Sehnsucht steht. Die
Romantik als künstlerische Epoche, besann sich darauf, so Novalis,
den Riss zwischen der Vernunfts- und der Gefühlswelt zu kitten. Enno
Bungers Texte und Musik passen vorzüglich in diese Umschreibung des
Romantikers Novalis und ja ich mag auch das zweite Album des
Ostfriesen.
Die Sehnsucht tropft literweise aus den
Melodien auf Album Nummer Zwei „Wir sind vorbei“,
die er vorwiegend mit dem Klavier vorträgt. Seine Texte sind direkt,
unverschlüsselt und laufen damit natürlich Gefahr, der Lächerlichkeit
Preis gegeben zu werden. Es liegt in der Sache selbst, dass
wenn man versucht Gefühle in Worte zu fassen, wenn man diese losgelöst
von der Situation in der sie entstanden sind betrachtet, allzu leicht
als Kitsch abtut, weil sie eben oftmals kitschig sind! Da haben es
englischsprachige Künstler leichter, weil die Universalsprache des Pops
englisch ist und die an die Texte angelegten Maßstäbe, natürlich auch
aufgrund der Sprachbarriere, niedriger sind.
Enno Bunger
aber wagt den Seiltanz und balanciert kunstvoll auf der Grenze zwischen
romantischem Kitsch und herzzerreißender Sehnsucht. Man muss allerdings
schon den Schutzwall öffnen und die Romantik hereinlassen, weil mit der
Sanftheit, die Enno Bunger umgibt, keine Türen eingetreten
werden. Also Hirn etwas dimmen, Herz öffnen und lauschen:
+ „Präludium“:
Romantik! Instrumental! Fein!
+ „Ein Astronaut“: Diese Figur
wird wohl im Pop langsam zum Sinnbild des Einsamen in Sehnsucht
Ertrinkenden – Schuld ist natürlich David Bowie!
+ „Euphorie“:
Würde englisch gesungen und Chris Martin sängen, wäre der Song in den
Charts weit oben.
+ „Die Flucht“: Text! Sehnsucht paart sich
mit Wut!
+ „Regen“: Tränenreiche Piano-Ballade mit
Coldplay-Damaturgie
+ „Ich möchte noch bleiben“: Gaaaanz nah
am Kitsch!
Für alle, die es auch mit dem Zaunpfahl-Titel „Wir
sind vorbei“ noch nicht kapiert haben: Dies ist ein Trennungsalbum
in traurigstem Moll par Excellence.
Mit ihrer Debüt-EP "Albama Shakes"
setzte das Quartett aus Athens in Alabama 2011 ein erstes
Ausrufezeichen. Die Plattenfirmen ließen sich daraufhin nicht lange
bitten und nun steht also der erste Longplayer "Boys & Girls"
im Regal. Mit auf der Scheibe ist natürlich der Hit "Hold on",
der in den einschlägigen Videoportalen im Internet schon fulminante
Zugriffszahlen einfuhr. Wer diesen Song ohne visuelle Mittel das erste
Mal hört, der wird denken, "geiler Sänger, den die Band da am Mikro hat" und
leider völlig daneben liegen, denn die Vocals stammen von Brittany
Howard und die ist schwarz und weiblich :-).
Bei den anderen
Songs wie zum Beispiel der Nummer "I found you" tritt das Geschlecht
schon deutlicher zu Tage vor allem, weil die Band weniger rockt, sondern
mehr dem Soul und Blues zugetan ist. Gleiches gilt für "Hang Loose" und
mit Abstrichen bei "Rise to the sun", wo Brittany mich
auch an die selige Amy Winehouse erinnert. Highlight in Sachen
Soul ist sicher das atemberaubende Titelstück "Boys & Girls".
Die Blues-Nummer schlechthin ist "Be Mine" - da lässt die andere
verblichene Röhre, namens Janis Joplin grüßen. Amy und Janis
ich vermisse euch trotzdem!
Leider sind die rockigen Nummern wie
das bereits erwähnte "Hold on" eher die Ausnahme, das macht das
Album keinesfalls schlecht, aber aufgrund der Single hatte ich mir
deutlich mehr erwartet. Das Potential ist definitiv vorhanden, besonders,
wenn man sich im Netz die Live-Auftritte der Band ansieht, aber auf dem Debüt-Album wurde leider auf Nummer sicher
gesetzt und somit viele Möglichkeiten verschenkt.
Fazit: Handmade-Musik mit Schmackes, nicht
zu glatt und schnörkellos, sondern mit Verve, Groove und ein bisschen
Schmutz an den Händen, aber auch ziemlich Retro oder wenn man böse sein
will: altbacken.
Artverwandtes
für Neugierige: + Kings of Leon / Youth & Young Manhood
(2003) + The Black Crowes / Shake Your Money Maker (1990) + Janis
Joplin / Cheap Thrills (1968)
Zwangsläufig kann eine Band, die sich so an den Wurzeln der deutschen
elektronischen Popmusik orientiert, nur aus Köln oder Düsseldorf kommen.
Letzteres ist der Fall, aber wie zum Ausgleich dürfen die Düsseldorfer
auf der c/o pop
in Köln den diesjährigen Identifikationssong „Gold“ (auf der
letztjährigen EP), in dem es um
König
Midas geht, stellen.
Musikalisch kann ich,
entgegen vielen Berichten im Feuilleton großer deutscher Zeitungen (FAZ)
allerdings nichts wirklich Neues beim Debütalbum „Douze
Pouze“ ausmachen. Die Stabile
Elite klingt wirklich genau wie die in den 80er
Jahren im Zuge der Neuen Deutschen Welle
groß gewordenen Bands, die den analogen Synthesizer als zentrales
Instrument nutzten. Mal mehr nach Rheingold („Hydravion“, „Dreiklang“),
mal nach Neu! („Revue 12“), mal nach D.A.F.
(„Expo“) und mal schon copyrightsverletzungsnahe an
Kraftwerk („Rave Maria“). Das ist gut gemachter deutscher
Pop, hochtanzbar und mit jeder Menge Groove („Wir kommen aus“),
aber sollte man da nicht lieber gleich die Originale hören?
Warum
nicht beides? Eben. Es ist nicht NEU!, aber es macht Spaß und
ab und an brauchen meine Boxen diese Retro-Keyboard-Sphären, die
Mini-Moog-Sounds und was bitte ist so schlimm an Wiederaufgewärmten?
Eine Paella schmeckt nach ein paar Tagen sogar noch besser!! Mahlzeit!
Anspieltipps:
+ „Drei gerade Zahlen“: Es lebe der
Ombudsmann!
+ „Agent Orange“: Flirrt wie Hitze über einem
orientalischen Bazar. Hypnotisch.
Dass man nur zu Zweit gut abrocken kann, wurde in
den letzten Jahren ja schon von so einigen Bands (The White Stripes,
The
Black Keys, etc.) bewiesen, ganz klar ebenfalls, in diese Riege gehört
auch das Duo Blood Red Shoes aus Brighton. Laura-Mary
Carter und Steven Ansell teilen sich die Vocals. Während
Madame beim Singen die Gitarre schrubbt, bearbeitet der Herr das
Schlagzeug. Wer den Sound von Blood Red Shoes hört, glaubt im
Leben nicht, dass nur zwei Personen so ein Brett kreieren können!
Den Stil der beiden darf man wohl getrost als klassische Rockmusik
bezeichnen, das ist zur Zeit nicht so hip, aber wenn man berücksichtigt,
dass es The Subways mit einem lausigen letzten Album geschafft
haben große Hallen zu füllen, dann freut man sich doppelt, dass
Blood Red Shoes den Jungspunden hier ganz klar zeigen, wo der Hammer
hängt. DAS ist ROCK!
"Cold" ist hymnisch, melodiös und
hat trotzdem die richtige Dosis Aggressivität. Ebenso wie das erdige "Down
here in the Dark"."Lost Kids" eignet sich als Motto für
die angesprochene Zielgruppe - brilliert mit knackigem Mitsing-Refrain
und grungt sogar ganz ordentlich. "Balladen" oder besser sanfte Songs
sind eigentlich nicht so das Ding des Duos, aber "The Silence and
the Drones" geht in Ordnung. Vollgas mit Energie bis zum Bersten
liegt ihnen da besser, was der PunkRock-Song "Je me perds" klar
beweist! Aber auch in Punkto Songwriting haben die beiden zugelegt: "Slip
into Blue" ist erstaunlich zerbrechlich und filigran.
Insgesamt hält die Band das Niveau, obwohl das Spektrum etwas
geweitet wurde und nun auch ruhigere Songs stattfinden durften.
Ein Berliner Quartett! Und man hört es
nicht! Das vorherige Album, von den international angesehenen
Produzenten Gordon Raphael (Strokes, Regina Spektor) und Rob Kirwan
(U2, PJ Harvey) produziert, erfüllte nicht die Erwartungen. Nun
entschloss sich die Band "Under the No Sky" in Eigenregie zu
produzieren und die Berliner haben wohl beim Vorgänger gut aufgepasst,
denn die Produktion kann sich sehen, besser, hören lassen.
Super
700 - dämlicher Name, keine Ahnung wie er entstand - machen leicht
schrulligen IndiePop, der vor allem von der Strahlkraft und Stimme von
Sängerin Ibadet Ramadani lebt. Ibadet Ramadani verfügt
über eine Stimme, die manchmal stark an Feist, wie zum Beispiel bei "One
of a Kind" erinnert, aber auch tief hinabsteigen kann ("21
Century Girl"). "One of a Kind" ist ein zarter Popsong mit
Piano, einer verhalten verstimmten Gitarre und gedämpftem Schlagzeug.
Der Titeltrack "Under the No Sky" klingt wie U2 in den 80ern (wäre da nicht die
Stimme) und versinkt in der vielleicht etwas zu lieblichen Melodie.
Ein bezauberndes Stück ist "When the Evening Comes"! Die
Trommeln aus der afrikanischen Musik passen ganz hervorragend in dieses
in sich selbst versunkene Etwas. Fein, fein! Mit sphärischen
Glockenklängen und Streichern, durchbrochen von marschierenden Trommeln,
machen die Berliner Regen ("Make Rain"), davon hat man als
Kölner ja eigentlich genug, aber falls mal wirklich eine
Trockenperiode einsetzt ;-). Minimalistisch, mit Dub-Attitüde, ist "My
Bones" einer der stärksten Songs des Albums (oder doch "Old
Moon"?) - falls Herr James Blake mal wieder was covern will,
würde ich mich über eine Neuinterpretation dieses Tracks freuen.
Wer jetzt noch immer nicht vom Kauf des Albums überzeugt ist, der
möge bitte "Decent Snow", denn das ist der versteckte Hit des
Albums, hören, damit die Band nach ihrer Neuorientierung das erhält, was
ihr gebührt: Erfolg!
Verdammt lange acht Jahre ist es her, dass die
beiden Brüder Phil und Paul Hartnoll, alias
Orbital ein Lebenszeichen in den elektronischen Soundkosmos
sandten. Ich habe sie schlichtweg vermisst die beiden Zauberer, die mit
„In Sides“ ein Ambient-Album erschufen, bei dem man nicht einschlafen
kann und die mit „Satan“ und "The Box" epochale
elektronische Meisterwerke schufen.
Nun sind sie also zurück im
Ring und feuern erneut fette Rockin`Beats („Where is it going“)
und blubbernde Space-Kaskaden und Handclaps („Stringy Acid“)
aus allen Rohren, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sie scheren sich
wirklich nur ganz marginal um neue Soundstrukturen (Dubstep, etc.),
sondern setzen weiterhin zu Recht auf ihre kompositorischen Qualitäten,
die sie heute wie damals klar von der Kirmes-Konkurrenz (Skrillex
& Co) abheben.
Dass sie aber durchaus ihre Lauscherchen am Puls
der Zeit haben, verraten Orbital, indem sie zum Track „New
France“ niemand Geringeren als Zola Jesus ans Mikro holen.
Mit dem Song lässt sich eine technoide Tanzburg ganz sicher problemlos
zur Eruption treiben. Weiteres Beispiel, der Titeltrack „Wonky“,
zu dem Grime-Lady Leshurr auf knüppelharten Beats ebensolche
Rap-Salven knallt – von „Die Antwoord“, haben die beiden Brüder
also auch schon gehört ;-)
Konsumhinweis: Funktioniert am besten
über Kopfhörer oder aber, wenn die Nachbarn verreist sind, der
Volume-Regler am Limit ist und ihre Boxen über ausreichend Bässe („Beelzedub“
- ja hier wird schon ein wenig gedubsteppt ;-)) verfügen.
The Lumineers kommen aus Colorado und
machen nostalgische Musik, die in den besten Momenten an die Engländer
vom Mumford & Sons erinnert - man höre "Flowers in your
Hair". Wer auf Lagerfeuer steht, kann schon mal Holz sammeln, die
richtige Beschallung ist mit "The Lumineers" jetzt auf dem
Markt - man kann ja mal den Cash-Alben ne kleine Pause gönnen.
Unaufgeregte Musik mit schwelgenden Geigern, rasantem Tempoanstieg und
wenn da nicht der amerikanische Akzent wäre, könnte man denken, die Band
stamme von der grünen Insel Irland.
Frontmann Weesley Schulz
hat eine so schön krächzende Stimme wie ich sie zuletzt bei dem im Jahre
2004 verstorbenen Kevin Coyne gehört habe. Ganz exzellent tritt
dieses Organ zu Tage, wenn Wesley zu akustischen Klängen wie
beispielsweise bei "Slow it down", "Dead Sea" oder "Charlie Boy"
für andächtiges Lauschen sorgt. Das funktioniert auch prima bei
Pianobekleidung: "Flapper Girl". Sehr bezaubernd ist der Handclapping-Song
"Big-Parade", bei dem man unweigerlich mit den Füßen
mitstampfen muss und ich mich fühle, als hätte ich in einem irischen Pub
gerade das vierte Guiness getrunken. Die erste
Singleauskopplung "Ho Hey" ist ein Ohrwurm, der sicher bei
Liveauftritten der Band für kräftiges Mitsingen im Publikum sorgen wird.
Beim letzten Song "Morning Song" dürfen die Gitarren dann sogar temporär etwas lärmen, ehe es
wieder akustisch weitergeht und die inbrünstige Stimme Wesleys wieder im Vordergrund steht.
In Gänze ein sehr
reifes und rundes Album mit sehr vielen hervorragenden Songs, dass bei
mir die nächsten Wochen sicher in Heavy-Rotation laufen wird und ich ihm
zutraue, die 6 Sterne bis Ende des Jahres doch noch vollzumachen.